Universität Bonn

Botanische Gärten

Titanenwurz und Verwandte

"Unsere" Titanenwurz (Amorphophallus titanum) hat viele Verwandte. Weltweit gibt es etwa 200 Arten, die alle in Afrika oder Asien zu finden sind. Sie gehören in die Familie der Aronstabgewächse (Araceae). In den Bonner Botanischen Gärten sind 34 Arten in Kultur – ganz große und ganz kleine.

Titanenwurz

Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum) wurde 1878 in Sumatra von dem florentinischen Botaniker Odoardo Beccari entdeckt. Sie hat den größten Blütenstand im Pflanzenreich.

Nirgendwo in Deutschland – wahrscheinlich sogar weltweit – gab es mehr Blühereignisse als in Bonn. Deshalb lag es nahe, die Titanenwurz als Logo für die Botanischen Gärten zu wählen. Der größte Blütenstand bisher war – gemessen ab der Knollenoberseite – 3,25 m hoch.

Aus der unterirdischen Knolle der Pflanze treibt ein einziges gefiedertes Blatt, das nach zehn bis fünfzehn Monaten abstirbt und die Nährstoffe für das weitere Wachstum der Knolle liefert. Die aus einem Samen gekeimte Pflanze braucht einige Jahre bis die Knolle mit etwa 20 Kilogramm groß genug ist, um anstelle eines Blattes eine Blüte zu treiben. Der Blütenstand wächst mit großer Geschwindigkeit. Bis zu 19,5 cm in vierundzwanzig Stunden wurden gemessen. Wie dunkelroter plissierter Samt leuchtet das trichterförmige Hochblatt (Spatha), daraus erhebt sich gelblich leuchtend der Geruch und Wärme erzeugende Kolben (Spadix).

Auf kleine nachtaktive Käfer wirkt die Titanenwurz durch Farbe, Form und intensiven Aasgeruch wie ein großer verwesender Kadaver und ist damit für sie äußerst anziehend. Sie fallen auf die Täuschung herein und kriechen in das Innere der Blüte, um ihre Eier abzulegen. Dabei übertragen sie den Pollen und bestäuben die Pflanzen.

Der starke Lockgeruch für die Insekten wird rhythmisch ausgestoßen. Der riesige Kolben funktioniert dabei wie ein Sendemast und kann von den Insekten noch in einer Entfernung von 22 Kilometern wahrgenommen werden. Das ist auch nötig, denn an ihrem natürlichen Standort finden sich die Pflanzen nur weit verstreut.

In der ersten Blühphase sind die weiblichen Blüten befruchtungsbereit und mit heftigen Duftstößen lockt die Pflanze die hoffentlich pollenbeladenen Insekten zur Befruchtung an.

Um eine Eigenbefruchtung auf jeden Fall zu vermeiden, kommt die Pflanze erst später in die männliche Phase und schüttet den Pollen aus. Jetzt wird auch die Geruchsaussendung wieder aktiviert.

Nach ein bis zwei Tagen schließt sich die Blüte wieder, nach drei bis vier Tagen kippt der Kolben um. Nun entwickelt sich ein mehr als ein Meter hoher Fruchtstand mit Hunderten leuchtend orangeroten etwa fünf Zentimeter langen Beeren, die in ungefähr acht Monaten reif sind.

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Blütenstand der Titanenwurz (Amorphophallus titanum) © W. Lobin / Universität Bonn

Verwandte

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
Amorphophallus ongsakulii © W. Lobin / Universität Bonn

Der Kleinste

Der Kleinste der Gattung ist Amorphophallus ongsakulii . Er wurde erst 2004 in Laos entdeckt und wird etwa 5 Zentimeter hoch, die Knolle hat einen Durchmesser von 0,9 Zentimetern. Zum Vergleich: Die Knolle der Titanenwurz, die in diesem Jahr geblüht hat, wog 80 kg!

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
Amorphophallus gigas © W. Lobin / Universität Bonn

Der Riesige

Amorphophallus gigas aus Sumatra macht seinem Namen „gigas“ – griechisch: riesig – alle Ehre. Sein Blütenstand steht auf einem Stiel, beide zusammen können bis zu 5 Metern hoch werden. Bei Amorphophallus titanum sind Blatt und Blütenstand wesentlich größer.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
Amorphophallus paeonifolius © W. Lobin / Universität Bonn

Der Essbare

Einen ganz bizarren Blütenstand hat der Elefantenfuß Amorphophallus paeonifolius. Einige Sorten sind essbar und werden als Nutzpflanzen angebaut. Die bis zu 9 kg schweren Knollen werden gekocht oder eingelegt als Gemüse oder frittiert wie Chips gegessen.

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