In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Die Bromelie" wurde die aus Brasilien stammende Bromelienart Dyckia emdeana neu beschrieben (PDF der Publikation). Der Sammler und Autor Dr. Pierre Braun würdigt mit dieser Namensgebung die Leistungen der Bonner Gärtnerin Birgit Emde: "Dank ihrer umsichtigen Pflege war es möglich die Pflanzen seit fast 40 Jahren bei guter Gesundheit zu kultivieren und wiederholt zur Blüte zu bringen. Ohne Birgit Emde wären Bearbeitung und Beschreibung nicht möglich gewesen" schreibt Braun.
Birgit Emde wurde von 1986 bis 1988 bei Werner Höller zur Gärtnerin in den Botanischen Gärten der Universität Bonn ausgebildet. In dieser Zeit trafen auch die 1987 gesammelten Pflanzen von Dyckia emdeana in den Gärten ein. Heute ist sie als Gärtnerin zuständig für die Sukkulenten, Bromelien und fleischfressenden Pflanzen.
Pierre Braun hatte einige junge Exemplare dieser Bromelie 1987 von einer Reise durch den brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais mitgebracht. Damals vermutete er aufgrund der Wuchsform und der Blätter, dass es sich um die weiter südlich vorkommende Art Encholirium inerme handelte. Unter diesem Namen wurde die Pflanze dann auch lange Zeit in Bonn kultiviert. Erst bei wiederholten Gartenbesuchen in den letzten Jahren wurde dem Experten klar, dass diese Bromelie zur Gattung Dyckia gehörte und eine noch unbeschriebene Art sein musste. Das Besondere an dieser Art sind die ungezähnten, aber extrem harten, sukkulenten Blätter, die kompakte Rosetten bilden. Damit ist die Pflanze besonders robust und kann auch Trockenperioden gut überstehen. Im Laufe der Jahre bildet die Pflanze Tochterrosetten aus, so dass letztlich eine Art Hexenring entstehen kann.
Der natürliche Lebensraum dieser Art ist eine dicht mit Sträuchern bewachsene Grassavanne (Campo cerrado), die durch den Wechsel von Regen- und Trockenzeit geprägt ist und zu den artenreichsten Flecken der Erde zählt. Bis heute werden von dort regelmäßig neue Tier- und Pflanzenarten beschrieben. Allerdings ist auch dieser Lebensraum durch die Ausweitung und Intensivierung der Landnutzung zunehmend gefährdet. Auch der Fundort von Dyckia emdeana sieht heute völlig anders aus als in den 80er Jahren. Ob die Art in der Natur noch existiert, ist unklar. Für die Botanischen Gärten der Universität Bonn ist die Erhaltung und Vermehrung dieser Art daher ein besonderes Anliegen.