Universität Bonn

Botanische Gärten

Pflanze des Monats

Hier stellen wir jeden Monat eine Pflanze vor, die gerade besonders schön blüht, etwas ganz Besonderes oder Seltenes ist oder auch einmal Pflanzen, die wir aus unserer Umgebung kennen.

Mai 2022

Pflanze mit grüner Blüte
Blüte der Einbeere (Paris quadrifolia) © C. Löhne / Universität Bonn

Einbeere (Paris quadrifolia)

Um die symmetrische Schönheit dieser besonderen Pflanze zu entdecken, muss man etwas genauer hinsehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Einkeimblättrigen ist bei ihr alles vierzählig: 4 Laubblätter, 4 Kelch- und 4 Kronblätter, zweimal 4 Staubblätter und ein viergeteilter Fruchtknoten, der später im Jahr zu einer blauschwarzen Beere heranreift. Mit etwas Glück kann man manchmal auch drei-, fünf- oder sechszählige Exemplare entdecken.

Die Einbeere wächst an feuchten Stellen im Unterwuchs von alten, naturbelassenen Laubwäldern. Da ihr Lebensraum durch Entwässerung und Waldbewirtschaftung gefährdet ist, hat die Loki-Schmidt-Stiftung die Einbeere zur Blume des Jahres 2022 ausgerufen

Übrigens: Wie die meisten Pflanzen ist auch die Einbeere über ihre Wurzeln mit Mykorrhiza-Pilzen verbunden, über die sie mehr Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können. Kürzlich fanden Forschende heraus, dass die Einbeere über die Mykorrhiza auch Kohlenstoff erhalten. Diesen beziehen die Pilze von Bäumen und anderen Pflanzen, mit denen sie ebenfalls verbunden sind. Auf diese Weise kann die Einbeere auch im tiefen Schatten gut gedeihen, wo Photosynthese nur wenig Kohlenstoff-Ertrag bringt.

Zum Weiterlesen: Englischsprachiger Fachartikel über die Mykorrhiza bei Paris quadrifolia

April 2022

Quitte (Cydonia oblonga)

Im Nutzpflanzengarten blühen jetzt im Frühjahr die Obstbäume. Nachdem die Mandelbäume bereits im Januar angefangen haben, folgen nun im April Kirschen, Äpfel, Birnen und Quitten.

Quitten sind kleinbleibende Obstbäume aus der Familie der Rosengewächse. Sie erreichen selten mehr als 5 Meter Höhe und wachsen eher in die Breite. Wie viele andere Obstgehölze werden die Quitten bereits seit Jahrtausenden von Menschen genutzt und angebaut. Vermutlich stammen Sie aus dem Gebiet zwischen Kaukasus und Zentralasien. Spätestens mit den Römern wurde die Quitte im ganzen Mittelmeergebiet bekannt und gelangte später auch in die wärmebegünstigten Weinbaugebiete Mitteleuropas.

Übrigens: Der Begriff Marmelade geht auf das portugiesische Wort für die Quitte zurück: marmelo. Den daraus zubereiteten süßen Brotaufstrich nannten die Portugiesen marmelada. Mindestens seit dem 16. Jahrhundert ist Marmelade in ganz Europa bekannt. Der Begriff wurde rasch auch für Zubereitungen anderer Früchte verwendet.

Pflanze mit Blüten
Blüte der Quitte (Cydonia oblonga) © C. Löhne-Universität-Bonn

März 2022

Narzisse auf einer Wiese
Osterglocke, Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) © C. Löhne / Universität Bonn

Gelbe Narzisse, Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus)

Endlich Frühling! Ein untrügliches Zeichen dafür sind die vielen Frühblüher, die derzeit bunte Farben in Gärten und Parks bringen. Zu Schneeglöckchen und Krokussen gesellen sich nun im März auch die Osterglocken, auch Gelbe Narzissen genannt. Dies ist die einzige Narzissen-Art, die auch in Deutschland heimisch ist. Ganz im Westen, nahe der belgischen Grenze, kommt sie in einigen Tälern wild vor. Ihr gesamtes natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich bis England, Frankreich und Schweiz.

Ihren Volksnamen „Osterglocke“ wird die Gelbe Narzisse womöglich bald verlieren. Aufgrund des Klimawandels beginnt der Frühling heute zwei bis drei Wochen früher als noch vor 50 Jahren. Zu Ostern kann man derzeit also kaum noch Osterglocken in den Gärten sehen.

Neben Narcissus pseudonarcissus gibt es noch über 50 weitere Narzissen-Arten. Die meisten kommen in Spanien und Portugal vor, einige auch in Nordafrika (z.B. die Reifrock-Narzisse, N. bulbocodium) und einige bis ins östliche Mittelmeergebiet (z.B. die Strauß-Narzisse, N. tazetta).

Narzissen werden von Insekten bestäubt, vor allem von Bienen, Hummeln, Tag- und Nachtfaltern. Insbesondere die von Faltern bestäubten Arten duften sehr intensiv. Diese Duftstoffe werden derzeit im Rahmen eines Forschungsprojekts am Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen näher untersucht.

Übrigens: Beim Umgang mit Narzissen ist Vorsicht geboten. Sie sind in allen Teilen hochgiftig, auch Hautreizungen sind möglich.

Februar 2022

Eucalyptus archeri

Ein Exot, der mitten im Winter Blüten treibt: Eucalyptus archeri stammt aus den Bergen Tasmaniens. Diese Insel im Süden von Australien hat ähnliche Klimabedingungen wie Mitteleuropa, mit Wintertemperaturen bis -20° C. Daher kann dieser kleine Baum auch bei uns in Bonn im Freiland gedeihen. Das schönste Exemplar steht im neuen Neuseeland-Tasmanien-Beet im Schlossgarten.

Tatsächlich blüht Eucalyptus archeri bevorzugt von Dezember bis Februar – nur wäre in seiner Heimat dann Sommer. Bei uns blüht er also mitten im Winter. Mit einer Bestäubung durch Insekten ist in dieser Jahreszeit wohl nicht zu rechnen, frostkalte Nächte könnten dem Blütenzauber sogar ein vorzeitiges Ende bescheren.

Die ca. 2 Zentimeter großen Blüten sitzen jeweils zu dritt in den Blattachseln und sind nur bei näherem Hinsehen zu erkennen. Farbige Blütenblätter haben sie nicht – allein die zahlreichen, cremefarbenen Staubgefäße entfalten die Schauwirkung.

Auffallend ist eine typische Eigenschaft der meisten Eucalyptus-Arten: die sogenannte Heterophyllie oder „Verschiedenblättrigkeit“. Im Jugendstadium des Baums sind die Blätter oval, derb und gegenständig. Im älteren Stadium sind die Blätter länglich, biegsam und wechselständig. Bei unserem Exemplar kann man die Jugend-Blätter im unteren Bereich des Stamms sehen und die Adult-Blätter im oberen Bereich.

Januar 2022

Pflanzen mit rosa-violetten Blüten
Schnee-Heide (Erica carnea) 'Winterfreude' © C. Löhne / Universität Bonn

Die Schnee-Heide (Erica carnea)

Schnee ist im Bonner Winter bekanntlich ein sehr seltenes Phänomen. Dennoch möchten wir mit dieser Pflanze des Monats an diese Winterfreuden erinnern.

Die Schnee-Heide fängt bereits im Verlauf des Januars an zu blühen. Mit ihren verschiedenen Farbtönen von weiß bis violett bringt sie bunte Farbtupfer in den wintergrauen Garten. Wohl deshalb zählt sie seit fast 200 Jahren zu den beliebtesten Zierpflanzen im Gartenbau. Sie kann besonders gut als pflegeleichter Bodendecker auf sonnigen bis halbschattigen Flächen eingesetzt werden und wird in vielen verschiedenen Zuchtformen angeboten. Besonders beliebt sind zum Beispiel die Sorten Winterfreude, Winterrubin oder Snow Prince.

Heimisch ist die Schnee-Heide in den europäischen Gebirgen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Arten der Heidekräuter (Gattung Erica) wächst die Schnee-Heide dort bevorzugt auf Kalkböden. Vor allem im Unterwuchs von Kiefernwäldern kann dieser Zwergstrauch dichte Teppiche ausbilden, kommt aber auch noch weit oberhalb der Baumgrenze vor. Kalte Winter und viel Schnee können ihr also nichts anhaben. Hier in unseren heimischen Gärten kann ist sie nicht nur ein willkommener Farbtupfer im Winter, sie ist auch eine wichtige Futterquelle für früh fliegende Bienen, Tagfalter und andere Insekten.

Im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss ist die Schnee-Heide an mehreren Standorten zu finden.

Wird geladen