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Vorträge

Garten = Theater – Pflanzen in Shakespeares Welt

Dr. Stefan Schneckenburger, Darmstadt


William Shakespeare (1564-1616), der bedeutendste Dramatiker unseres Kulturkreises, erwähnt in seinen Stücken etwa 150 Pflanzenarten. Es handelt sich fast ausschließlich um damals in England heimische oder in Gärten kultivierte Sippen. Einige wenige „Neuheiten“, importiert vor allem durch wohlhabende Händler und Pflanzenfreunde über Konstantinopel aus Kleinasien, kommen dazu. Es spricht vieles dafür, dass sich Shakespeare und John Gerard, der Autor des maßgeblichen Kräuterbuchs dieser Jahrzehnte, persönlich kannten und dass der Barde dieses „Herball“ mit seinen über 1400 Seiten sogar besaß.

Wir wundern uns heute darüber, wie gut sich Shakespeare und mit ihm seine Zuhörer mit Pflanzen ausgekannt haben. Sonst wäre seine oft sehr gezielt und pointiert eingesetzte Verwendung von Pflanzen und gärtnerischen Details schlichtweg ins Leere gegangen. Shakespeare „dekoriert“ in den Köpfen seines Publikums mit Pflanzen die fast leere Bühne seiner Zeit, er illustriert Dynastisches an Hand des Baumschnitts und gestaltet mit pflanzlichen Objekten seine überbordenden, oft zotigen Wortspiele. In der Regel werden die Pflanzen eben nicht beiläufig-dekorativ, sondern gezielt eingesetzt – als „Wortkulissen“ im elisabethanischen Theater unterstützen sie das Publikum bei der Imagination von Szenerien und Landschaften. Daneben sind sie Träger von Botschaften, die wir heute nur noch teilweise verstehen oder sie spielen ihre Rolle als konkrete Objekte wie Gift oder Heilpflanzen im Handlungsgefüge. Neben den „Standards“ wie Iris oder Rosen (man denke an die „Rosenkriege“ genannten Bürgerkriege der Zeit um 1480, die Shakespeare in den insgesamt 10 (!) Historiendramen untersucht und darstellt) reicht das bis zu sensationellen Neuheiten in den Gärten wie Schachbrettblume oder Kaiserkrone. Der „Feenhügel“ im „Sommernachtstraum“ mit seinem duftenden Geißblatt, den Veilchen und dem Quendel ist geradezu sprichwörtlich geworden.

Alle diese Aspekte wird Stefan Schneckenburger in seinem Vortrag zu berücksichtigen versuchen.


Termin: Donnerstag, 10.11.2016
Ort:
Hörsaal Botanik, Nussallee 4
Zeit: 19:00 Uhr
Referent: Dr. Stefan Schneckenburger, Darmstadt
Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1 Euro. Freundeskreismitglieder haben freien Eintritt.