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Karnivore Pflanzen

Nepenthes (Kannenpflanzen)

Zurzeit sind etwa 120 Nepenthes Arten wissenschaftlich beschrieben und noch immer folgen neue Arten. Die altweltliche Gattung Nepenthes ist die einzige Gattung der Familie Nepenthaceae und hat ihr Diversitätszentrum in SO-Asien, besonders auf den Inseln Borneo und Sumatra.  Insgesamt erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Madagaskar bis Neukaledonien und von China bis Nord-Australien.

Die Blätter der Gattung Nepenthes setzen sich aus drei Abschnitten zusammen:

  • einen blattförmigen Teil, der vermutlich aus der Blattbasis hervorgegangen ist,
  • eine Ranke, vermutlich der Blattstiel, die den Pflanzen  beim Klettern hilft, indem sie die umgebende Vegetation umranken,
  •  und die zur Kannenfalle umgebildete Blattlamina

Jede Kanne unterteilt sich wiederum in drei Abschnitte:

Die Anlockungszone umfasst den Deckel der Kanne und den gezähnten Kannenrand, das Peristom. Beides ist oft bunt gefärbt und weist Nektardrüsen auf, durch die potentielle Beutetiere angelockt werden.

Zur Gleitzone gehört ebenfalls das Peristom, welches bei Nässe rutschig wird sowie die obere Kannenhälfte, deren steile Wände meistens von einer rutschigen Wachsschicht überzogen sind.

Die Verdauungszone umfasst die untere, flüssigkeitsgefüllte Kannenhälfte. In diesem Bereich sind die Kannenwände mit Drüsen bedeckt, welche zum einen verdauende Enzyme in die Kannenflüssigkeit abgeben und zum anderen Nährstoffe von den verdauten Beutetieren aus der Verdauungsflüssigkeit aufnehmen.

Fast alle Nepenthes-Arten bringen zwei verschiedene Kannenformen hervor: Junge Pflanzen produzieren zunächst eher rundlich Bodenkannen die in einer Rosette angeordnet sind. Bei Bodenkannen übernimmt der Blattstiel noch keine rankende Funktion und ist zur Vorderseite der Kanne ausgerichtet. Außerdem weisen Bodenkannen in der Regel eine deutliche Flügelleiste auf der Vorderseite auf. Ältere Pflanzen wachsen meist zu einer kletternden Liane aus und auch ihre Kannen sind eher langgestreckt und oft heller von der Färbung. Diese Kannenform wird zuweilen als Luftkannen, Hängekannen oder Distale Kannen bezeichnet. Bei ihnen ist der Blattstiel deutlich zur Ranke umgebildet welche zur Rückseite der Kanne ausgerichtet ist. Die Flügelleiste ist meist nicht mehr vorhanden.

Nepenthes rafflesiana: links Bodenkanne, rechts distale Kanne (Foto: Katja Rembold)

Die Kannenfallen sind passive Fallen. Bei jungen Kannen ist der Deckel zunächst geschlossen, aber sobald er sich einmal geöffnet hat vollzieht er keine aktiven Fangbewegungen mehr. Die Verdauungsflüssigkeit im Inneren der Kannen stellt nicht nur eine tödliche Bedrohung für manche Tiere dar, sondern bietet auch einen Lebensraum für zahlreiche aquatische Tiere. Somit wird jede Nepenthes Kanne zu einem kleinen Ökosystem.