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Karnivore Pflanzen

Pinguicula (Fettkraut)

Pinguicula spec.

Pinguicula spec.

Die 86 Fettkrautarten (Pinguicula spp.) kommen vor allem in der Nordhemisphäre vor mit einem Diversitätszentrum in Mittelamerika, wo vermutlich der Ursprung dieser Gattung liegt. Entlang der Anden strahlen einige Arten sogar bis nach Feuerland aus. Ihr Lebensraum sind nährstoffarme, feuchte Standorte (zum Beispiel Moore, Sümpfe, Felsen).

In Deutschland gibt es zwei Pinguicula-Arten: Pinguicula vulgaris (Gemeines Fettkraut) und P. alpina (Alpen-Fettkraut), beide sind durch die Zerstörung ihrer Lebensräume stark gefährdet.

Pinguicula spec.

In der roten Liste Nordrhein-Westfalens wird das Gemeine Fettkraut mit Gefahrengrad 1 (vom Aussterben bedroht) geführt. Das Vorkommen von Pinguicula alpina ist auf die Alpen beschränkt, wo es ebenfalls bedroht ist.

Pinguicula-Arten fangen ähnlich wie der Sonnentau (Drosera spp.) kleine Tiere mit Hilfe gestielter Drüsen auf der Blattoberfläche, die klebrige Schleime absondern. Kleine Insekten bleiben beim Kontakt mit dem Schleim der Drüsen kleben und werden durch ausgeschiedene Enzyme zum größten Teil verdaut. Die gelösten Substanzen werden von kleinen sitzenden Drüsen auf der Blattoberseite aufgenommen. Durch diese zusätzliche Versorgung mit Nährstoffen besitzen die Fettkräuter auf nährstoffarmen Böden einen Konkurrenzvorteil vor anderen Pflanzen.

 

Pinguicula spec.

Bei einigen Pinguicula-Arten, zum Beispiel dem Gemeinen Fettkraut (Pinguicula vulgaris), kann sich der Blattrand über einem festgeklebten Insekt hinweg einrollen und es ganz oder teilweise einschließen. Dadurch bleibt das Insekt in einer festen Position fixiert, kommt mit mehr Drüsen in Kontakt, und die ausgeschiedenen Verdauungsenzyme können nicht so schnell von der Blattoberfläche weggewaschen werden (zum Beispiel durch Regen). Diese Bewegungen des Blattrandes werden durch das Insekt (mechanische und chemische Reize) ausgelöst. Es handelt sich um langsame Wachstumsbewegungen, die innerhalb einiger Stunden vonstattengehen. Nach Beendigung der Verdauung des Insekts entrollt sich der Blattrand wieder.

Nicht alle Fettkrautarten können diese Bewegungen ausführen. Schnelle Bewegungen der gestielten Drüsen, wie sie bei den Tentakeln des Sonnentaus zu beobachten sind, kommen nicht vor. Die aktive Klebfalle der Fettkräuter ist also nicht so hoch entwickelt wie beim Sonnentau.