Amorphophallus titanum

Die Titanenwurz in Bonn 1996

Besonders faszinierend an den Blütenständen der Titanenwurz ist ihr schnelles Wachstum. 1996 wurden an der Pflanze, die im Mai zur Blüte gelangte, die folgenden Beobachtungen und Messungen getätigt (Ittenbach et al. 1998):

Die ca. 32 kg schwere Knolle wurde am 9.2.1996 getopft und am 8.3.1996 zum ersten Mal gegossen. Die Knospe war am 22.3.1996 erstmals sichtbar, und die Messungen begannen am 15.4.1996. Zu diesem Zeitpunkt war sie, von der Erdoberfläche gemessen, 40 cm hoch und hatte eine tägliche Zuwachsrate von 7 bis 19 cm. Am 6.5.1996 war von 22 bis 22.30 Uhr zum ersten Mal ein leichter Aasgeruch zu riechen. Am 8.5.1996 begann sich die Spatha um 13 Uhr zu öffnen, und der Blütenstand hatte seine Endhöhe von 233 cm erreicht. Die Spatha öffnete sich innerhalb von 5 Stunden vollständig, und ihr Durchmesser vergrößerte sich in dieser Zeit von 30 auf 136 cm. Am 12.5.1996, gegen 18.30 Uhr, kippte der Blütenstand nach nur vier Tagen um. Mit Öffnung der Spatha am 8.5.1996 kam die Pflanze in der Nacht in die weibliche Phase, d.h. die weiblichen Blüten waren befruchtungsbereit. Der Pollen wurde erst 24 Stunden später, am 9.5.1996, um 18 Uhr ausgeschüttet.

Der Fruchtstand

Die Titanenwurz 1996 in BonnVon dieser Pflanze entnahmen wir Pollen. Drei Wochen später erblühte eine zweite Titanenwurz mit einem kleineren Blütenstand. Während des Öffnens der Spatha dieser Pflanze erfuhren wir von einem weiteren Exemplar, das ebenfalls zu dieser Zeit im Frankfurter Palmengarten blühte, sich aber bereits in der männlichen Phase befand. Dankenswerterweise bekamen wir vom Palmengarten frischen Pollen, so dass wir unsere Bonner Pflanze sowohl mit frischen Pollen des Frankfurter Exemplars als auch mit den eingefrorenen Pollen unseres drei Wochen früher blühenden Exemplares bestäuben konnten.

Interessanterweise hatten sowohl die Herkunft als auch die unterschiedlichen Methoden der Aufbereitung des Pollens keinerlei Einfluss auf die Befruchtung. Der Fruchtstand entwickelte sich hervorragend, wurde 1,12 m hoch und besaß einen Umfang von ca. 60 cm. Die Beeren waren leuchtend rotorange gefärbt und bis 4,9 cm lang. Die reifen Früchte wurden am 10.12.1996 und am 12.2.1997 geerntet und jeweils einen Tag später, also am 11.12.1996 und am 13.2.1997 ausgesät. Insgesamt haben wir 450 Beeren geerntet, von denen ca. 70 Prozent zwei Samen enthielten. 210 Beeren haben wir an andere Botanische Gärten abgegeben, u.a. Palmengarten Frankfurt, Botanische Gärten von Berlin, Kunming (China), Leiden, Mainz, Nanking (China) und München sowie die Royal Botanic Gardens Kew.

Die restlichen ca. 360 Samen haben wir ausgesät, von ihnen keimten 293 über den langen Zeitraum vom 31.1. bis 23.5.1997. Insgesamt haben wir weitere über 220 junge Knollen weltweit an 41 verschiedene Gärten, u.a. Smith College, USA, Botanische Gärten von Batumi (Georgien), Bogor (Indonesien), Irkutsk und Tver (Rußland), Orotava (Teneriffa), Peking und Thiruvananthapuran (Indien), abgegeben. Eine erfolgreiche Nachzucht gelang bisher erst einmal, und zwar 1992 im Palmengarten. Die Pflanze, die 1937 bei uns blühte, wurde mit eigenem, unreifem Pollen bestäubt. Sie entwickelte einen Fruchtstand, dessen Beeren aber keine Samen enthielten (Koernicke 1938). Kürzlich gelang im Botanischen Garten Huntington eine solche Selbstbestäubung. Die Sämlinge wachsen dort gut heran.

Kulturbedingungen

Erfolgreiche Nachzucht: Michael Neumann mit seinen SchützlingenWir verwenden ein Substrat, das aus 80% dauergedüngter Einheitserde, 10% gewaschenem Sand und 10% feinem Bims besteht. Am Kübelboden befindet sich eine dicke Drainageschicht. Während der Vegetationsphase wird das Substrat gleichmäßig feucht gehalten, es darf nicht zu nass werden, da ansonsten die Gefahr der Fäulnisbildung gegeben ist. Wenn das Blatt abgewelkt ist, wird das Gießen eingestellt. Von März bis Oktober wird einmal wöchentlich, von November bis Februar alle drei Wochen gedüngt und endet, wenn das Blatt sich gelb verfärbt. Die Temperatur sollte maximal 34°C und minimal 24°C nicht über- bzw. unterschreiten. Optimal liegt sie bei 26°C. Die Luftfeuchtigkeit sollte relative 80 bis 85% betragen. Als Standort haben sich sehr warme und feuchte Gewächshäuser bewährt. Die Pflanzen benötigen zum Wachstum viel Licht. Sie müssen hell stehen, sollten aber von April bis September über Mittag schattiert werden, im Winter sollte ihnen so viel Licht wie möglich geboten werden. Die Vegetationsperiode variiert zwischen 9 bis 24 Monate, die Ruhezeit (2 bis 4 Monate) ist unregelmäßig, sie beginnt nach dem Abwelken des Blattes, bis der Neuaustrieb an der Knolle sichtbar zu schieben beginnt.

Während der Ruhephase kann ein Pilzbefall zur Fäulnis an der Knolle führen. Die wichtigsten Schädlinge sind Nematoden und Wurzelläuse. Nematoden sind praktisch nicht bekämpfbar, deshalb ist steriles Arbeiten wichtig; Wurzelläuse können biologisch mit Hypoaspis (Raubmilben) bekämpft werden; chemisch mit entsprechenden Mitteln. Treten große Faulstellen auf, dann müssen diese bis auf gesundes Gewebe geputzt und die Wunden mit Holzkohlepulver bestreut werden.

Die Vermehrung

Die Samen müssen nach der Fruchtreife komplett vom Fruchtfleisch befreit werden, am besten, solange das Fruchtfleisch noch frisch ist. Anschließend sofort aussäen, bei einer Saattiefe von ca. 5 mm werden die Samen einzeln in 9 cm - Töpfe in oben genannte Erde gepflanzt, jedoch in Sand eingebettet; die Samenlage hat keine Auswirkungen auf das Keimen. Töpfe sehr hell stellen und für eine Temperatur von 26 °C, und zusätzlich eine Bodenwärme von 26 °C sorgen. Gleichmäßig, aber nicht zu feucht halten. Während der Ruhephase muss man, wegen der kleinen Töpfe, gelegentlich gießen, um ein völliges Austrocknen zu verhindern!

Aufgrund ihrer schwierigen Kultur und damit verbundenen relativen Seltenheit, stellt das Blühen der Titanenwurz stets ein besonderes Ereignis dar. Einzelne dieser Blütenstände sind, da sie zu einem günstigen Zeitpunkt passierten, als Medienereignis teilweise rund um die Welt gegangen. Aber regional können viele Besucher in die Botanischen Gärten gelockt werden. So kamen in Bonn zu der Blüte 1987 ca. 10.000 und zur Blüte im Mai 1996 innerhalb von nur einer Woche ca. 20.000 Besucherinnen und Besucher. Diese Zahlen zeigen den hohen Stellenwert, den Botanische Gärten und ihre exotischen Pflanzen genießen.

Inhalte

  1. Amorphophallus titanum
  2. Galerie: Blütenstände 1937-2008 in Bonn
  3. Die Titanenwurz in Bonn 1996
  4. Die Titanenwurz in Bonn 2000
  5. Galerie 2000
  6. Die Titanenwurz in Bonn 2003
  7. Galerie 2003
  8. Die Titanenwurz in Bonn 2006
  9. Galerie 2006
  10. Die Titanenwurz in Bonn 2008
  11. Galerie 2008
  12. Galerie Karneval 2009
  13. Die Titanenwurz in Bonn 2009
  14. Literatur & Links
  15. Titanenwurztorte
  16. Guinness-Zertifikat
  17. Über 50 Bilder

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