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Pflanze des Monats März 2010

Seidelbast

Seidelbast
Bild: W. Barthlott

Der Gewöhnliche Seidelbast (Daphne mezereum) ist einer der frühen Blüher in unseren heimischen Wäldern. Bereits vor dem Laubaustrieb – im Februar/März - öffnet er seine schönen rosafarbenen Blüten, die einen betäubend süßen Geruch verströmen.

Der kleine, bis 125 cm groß werdende Strauch ist besonders in Buchenwäldern zu finden. Seine Blüten stehen unmittelbar an der holzigen Sprossachse, der Gewöhnliche Seidelbast ist also sprossblütig (cauliflor), ein Merkmal, das sich ansonsten nur bei Pflanzen der Tropen findet. Er ist selten und bei uns geschützt.

In Deutschland kommen vier verschiedene Seidelbast-Arten wild vor, zwei davon im Rheinland. Dies ist einmal der Gewöhnliche Seidelbast (Daphne mezereum), zum anderen der Lorbeer-Seidelbast (D. laureola) der bereits im März 2003 die Pflanze des Monats war.

Die Pflanze enthält viele Inhaltsstoffe. In den Blüten sind das ätherische Öle, die den angenehmen Duft hervorrufen. In den übrigen Pflanzenteilen, besonders aber in den Beeren, befindet sich ein Gemisch ganz unterschiedlicher chemischer Stoffe, darunter das Glykosid Daphnin. Alle diese Stoffe sind brennend-scharf und giftig. Nach dem Genuss der leuchtendroten einsamigen Beerenfrüchte kommt es zu Erbrechen, Blutungen, Krämpfen und einem Brennen im Hals. Dieses Brennen hat vermutlich zu dem zweiten deutschen Namen, Kellerhals, geführt, das sich von dem mittelhochdeutschen „kellen“ = quälen herleitet. Die Gefahr einer Vergiftung, die durchaus einen tödlichen Verlauf nehmen kann, war früher sehr hoch, da der Seidelbast in der Volksmedizin bei Durchblutungsstörungen sowie Kopf- und Zahnschmerzen angewendet wurde. Verbreitet werden die Früchte durch Singvögel, z.B. Drosseln, die offensichtlich immun gegen das Giftgemisch sind.

Schöne Exemplare sind in der Biotopanlage im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss zu sehen.

Dr. Wolfgang Lobin


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