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Sammlungen

Pflanze des Monats Januar 2009

Der Glücksklee zum Neujahr

Der Glücksklee zum Neujahr
Oxalis deppei
Bild: W. Lobin

Wie Marzipanschwein, Hufeisen und Schornsteinfeger zählt auch der Vierblättrige Klee zu den beliebten Glücksbringern, die nun zur Jahreswende gern verschenkt werden. Kleeblätter sind normalerweise aus drei gleich gestalteten Fiederblättchen zusammengesetzt, können in ganz seltenen Fällen aber auch vier dieser Blättchen aufweisen. Das Auffinden eines solchen „vierblättrigen Kleeblatts“ gilt also seit alters her als etwas Besonderes und verheißt dem Volksglauben zufolge Glück. Als Glücksbringer sollen vierblättrige Kleeblätter - getrocknet ins Schulbuch gelegt - die Noten verbessern oder - unter dem Kopfkissen aufbewahrt - für schöne Träume sorgen. Und nach einer außerbiblischen Legende soll Eva ein vierblättriges Kleeblatt aus dem Paradies als Andenken mitgenommen haben.

Bei dem heute im Handel als Topfpflanze angebotenen Glücksklee (Oxalis tetraphylla) handelt es sich jedoch nicht um einen echten Klee (Trifolium), sondern um eine vierblättrige Art aus der großen Verwandtschaft des Sauerklees. Während vierblättrige Kleeblätter bei dem auf unseren Wiesen heimischen Rot- oder Weißklee also eine seltene Ausnahme darstellen, sind sie beim Vierblättrigen Sauerklee der Normalfall - so wird Glück „käuflich“ und ist schon für wenige Euro in jedem Supermarkt erhältlich.

Dementsprechend wird der Glücksklee in großem Maßstab als Topfpflanze produziert, wobei die Brutzwiebeln für einen Verkauf zur Jahreswende bereits Ende Oktober gelegt werden müssen. Beheimatet ist der Glücksklee im südlichen Mexiko, von wo aus er Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa als Zierpflanze eingeführt wurde. Mittlerweile ist Glücksklee in verschiedenen Zuchtformen erhältlich, deren Blüten zwischen Weiß und Tiefrot variieren und deren frischgrüne Blätter in der Mitte oftmals einen dekorativen purpurroten Fleck aufweisen.

Die Gattung Oxalis ist weltweit mit mehreren hundert Arten verbreitet, heimisch ist bei uns jedoch nur der in schattigen Laub- und Mischwäldern vorkommende Sauerklee (O. acetosella). Der Name „Sauerklee“ (oder „Oxalis“ von griechisch oxaleios, das heißt säuerlich) weist auf Calciumoxalatkristalle hin, die seinen Blättern einen sauren Geschmack verleihen, ihn aber auch schwach giftig machen. Die stärkehaltigen Knollen einiger tropischer Sauerkleearten sind hingegen essbar und können wie Kartoffeln oder Möhren zubereitet werden, weswegen sie in der Andenregion Südamerikas sogar angebaut werden. Auch die Zwiebeln des Glücksklees enthalten viel Stärke, die wirtschaftliche Bedeutung dieser Art liegt heute aber eindeutig in der Zierpflanzenproduktion.

In den Bonner Botanischen Gärten werden über 20 verschiedene Sauerkleearten kultiviert. Aktuell zum Jahresbeginn ist der Glücksklee im der Orchideenkabine im Durchgang vom Sukkulentenhaus zu sehen.


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