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Pflanze des Monats April 2008

Die Wildtulpe

Die Wildtulpe
Bild: Nils Köster

Die Wildtulpe (Tulipa sylvestris) ist mit ihren sternförmigen, leuchtend gelben Blüten sicherlich einer der schönsten Vertreter unserer heimischen Frühjahrsblüher. Wie der deutsche und der lateinische Name schon andeuten, handelt es sich bei der Wildtulpe um unsere einzige heimische Tulpenart. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn wie viele wärmeliebende Arten unserer Flora stammt sie ursprünglich aus Südeuropa, wurde aber vermutlich schon von den Römern nach Mitteleuropa gebracht.

Hier finden wir die auch als Weinbergtulpe bezeichnete Art auf offenen, lehm- und kalkreichen Böden warmer Lagen, wie sie eben vor allem in Weinbergen anzutreffen sind. Gleich vielen anderen im Frühjahr blühenden Zwiebelpflanzen war die Wildtulpe somit früher ein häufiger und typischer Vertreter der bunten Weinbergsfluren. Das Offenhalten der Böden durch regelmäßiges Hacken förderte dabei sogar ihre Ausbreitung, da die Tochterzwiebeln so leicht über den gesamten Weinberg verteilt wurden. Dies ist eindrucksvoll im rheinhessischen Weindorf Gau-Odernheim zu erleben, wo der größte Wildtulpenbestand nördlich der Alpen mittlerweile zu einer regelrechten Touristenattraktion geworden ist.

Durch die Intensivierung des Weinbaus mit Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger ist die Wildtulpe in ihrem Bestand jedoch mittlerweile stark zurückgegangen und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Deshalb wurde sie schon 1983 von der Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen zur Blume des Jahres ernannt und ist in diesem April nun Pflanze des Monats der Bonner Botanischen Gärten. 2004 haben wir zehn Wildtulpenzwiebeln aus dem Siebengebirge im Rahmen eines Ex-Situ-Erhaltungsprojektes vermehrt und im darauf folgenden Jahr im „Historischen Weinberg Niederdollendorfer Heisterberg“ wiederangesiedelt.

Die Gattung der Tulpen umfasst über 100 Arten, von denen etwa ein Dutzend in Europa wildwachsend vorkommen. Die meisten Tulpenarten finden sich jedoch im Vorderen Orient und in den Steppen Zentralasiens, woher auch die Wildformen unserer heutigen Gartentulpen stammen. Erstmals in Kultur genommen wurden sie im osmanischen Reich auf dem Gebiet der heutigen Türkei, wo sie sich nicht nur am Hofe der Sultane ungeheurer Beliebtheit erfreuten.

Im 16. Jahrhundert wurden dann die ersten Zuchttulpen durch einen habsburgischen Gesandten am osmanischen Hof nach Wien gebracht, von wo aus sie alsbald an verschiedene europäische Fürstenhöfe und vor allem in die Niederlande gelangten. Dort kam es dann in der Zeit des Barock zu einem regelrechten Tulpenfieber, bei dem immer neue, ausgefallenere Sorten gezüchtet wurden und einzelne Zwiebeln für horrende Summen den Besitzer wechselten. Noch heute sind die Niederlande das weltweite Zentrum der Tulpenzucht, und die Zahl der verschiedenen Zuchtformen beträgt viele Tausend.

Die Wertschätzung der Tulpe im Orient und später auch in Europa spiegelt sich schon in der Herkunft ihres Namens wider. Er geht auf das türkische „Tülbend“ zurück, was sich wiederum vom persischen „Dulband“ für eine prachtvolle, turbanähnliche Kopfbedeckung herleitet.

In den Botanischen Gärten finden wir eine hübsche Gruppe der Wildtulpe im vorderen Bereich der Kontinentalen Abteilung, rechts von der Freitreppe des Poppelsdorfer Schlosses in der Nähe der Systematischen Abteilung.


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