Home | Übersicht | Kontakt | Impressum

Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Sammlungen

Pflanze des Monats Dezember 2014

Japanische Schirmtanne

Japanische Schirmtanne
Zweig der Japanischen Schirmtanne (Sciadopitys verticillata)
Foto: W. Lobin

Die Japanische Schirmtanne (Sciadopitys verticillata) ist eine bemerkenswerte Pflanze. Sie gehört zu den Nacktsamern (Gymnospermen) und ist somit eng mit unserer Tanne und Fichte verwandt. Sie stammt, wie ihr deutscher Name verheißt, aus Japan, wo sie in dem Gebirge Kōya zu Hause ist. Ihr japanischer Name lautet コウヤマキ, was Kōya-Steineibe bedeutet.

Sciadopitys verticillata wurde von dem berühmten Japan-Forscher Philipp Franz Balthasar von Siebold beschrieben. Siebold lebte vom 5. September 1853 – April 1859 in Bonn und bekam 1854 ein Angebot auf eine Japanologie-Professur an der Universität, das er aber leider ausschlug.

Die Japanische Schirmtanne wird selten über 20 m hoch, der höchste Baum ist 27 m hoch. Sie hat typischerweise eine breite ausladende Krone, auf die der zweite Teil des deutschen Namens eingeht.

Sehr spannend ist, dass es in Braunkohleablagerungen im Rheinland (z.B. Gruben Garzweiler und Hambach) nahe Verwandte dieser Art gibt, die im Tertiär, also vor etwa 11 – 3 Millionen Jahren auch bei uns vorkamen. Wir haben aus der Grube Garzweiler dankenswerterweise mehrere fossile Stämme erhalten und diese in unserem Revier „Pflanzenwelt der Dinosaurier“ abgelegt. Zum Vergleich steht dort auch ein lebendes Exemplar der Japanischen Schirmtanne, die uns die Baumschule Fuhs in Alfter schenkte.

Die Japanische Schirmtanne ist in ihrer heutigen Verbreitung auf ein kleines Gebiet beschränkt, kam aber in früheren erdgeschichtlichen Epochen auch an anderen Stellen, z.B. im Rheinland, vor. Ein solches Vorkommen nennt man reliktär. Ein anderes Beispiel sind die Mammutbäume aus Kalifornien (USA), auch sie kamen früher im Rheinland vor.

Dr. Wolfram Lobin


Übersichten