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Sammlungen

Pflanze des Monats Mai 2003

Der Goldkugelkaktus

Mit seinen, auf zahlreichen Rippen stehenden, goldgelben Dornen, die einen hübschen Kontrast zum dunkelgrünen Sprosskörper bilden, ist der Goldkugelkaktus (Echinocactus grusonii) eine der schönsten Kakteen. Die aus dem zentralen Hochland Mexikos stammende Kugelkaktee wurde um 1890 entdeckt. Der Artname erinnert an den Industriellen Gruson, der im letzten Jahrhundert in Magdeburg eine der größten Kakteensammlungen seiner Zeit besaß. Sammler, wie Gruson waren es, die große Sammelexpeditionen in die Heimatgebiete der Kakteen finanzierten.

Kakteen wurden zu Beginn 20. Jahrhunderts zu Modepflanzen, die von einem immer größer werdenden Kreis von Liebhaber gepflegt wurden. Durch die ständig wachsende Nachfrage wurden Kakteen vom heimatlichen Standort direkt importiert, dies war die billigste, aber hohe Gewinne versprechende Methode. Die Anzucht aus Samen hingegen wurde als zu langwierig und damit zu wenig gewinnbringend betrachtet. Diese Praxis sollte dem Goldkugelkaktus zum Verhängnis werden.

Schon 1892 tauchten große, vom Originalstandort stammende Exemplare in Europa auf, die als außergewöhnliche Prunkstücke auf Ausstellungen gezeigt wurden. Die mächtigsten Pflanzen wurden zu publikumswirksamen Attraktionen, wie etwa in den zwanziger Jahren in Hamburg bei Planten und Blomen. In der Folge wurden praktisch alle größeren Pflanzen aus ihrer mexikanischen Heimat nach Europa, Japan und in die USA transportiert.

Einer der allgemein bekanntesten Kakteen, der sogar vom Volksmund mit einem eigenen Namen versehen wurde ("Schwiegermutterstuhl") und der im Wohnzimmer genauso oft zu sehen war wie der Gummibaum, wurde in der Natur bis auf winzige Restbestände ausgerottet. Die Art ist heute im Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens aufgeführt.

Absurderweise wäre es kein Problem gewesen, diese Art in ausreichendem Maße im Gartenhandel anzubieten, ohne sie an den Rand des Aussterbens zu bringen, da die Anzucht aus Samen keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Nachdem die Nachfrage nicht mehr durch Pflanzen aus Mexiko gedeckt werden konnte, wurde in klimatisch geeigneten Gegenden (Kalifornien, Kanarische Inseln) regelrechte Kakteenfarmen aufgebaut. Heute stammen alle im Handel erhältlichen Exemplare von E.grusonii aus solchen Betrieben.

Im Kakteenhaus der Botanischen Gärten steht eine Gruppe von sechs Pflanzen, darunter ein großes, ca. 60 cm im Durchmesser und ca. 70 Jahre altes Exemplar.


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