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Sammlungen

Pflanze des Monats August 2011

Linde

Linde
Fruchtstand einer Linde, das Tragblatt des Blütenstandes vertrocknet und dient dann als Flugorgan für die daran hängenden Früchte.
Foto: W. Lobin

Kein anderer Baum ist so in unserer Mythologie verwurzelt wie unsere Linden. Sie symbolisieren ein Heimatgefühl, was in vielen Volksliedern („Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“) zum Ausdruck kommt. Die Dorflinde hatte vielfältige Bedeutung, unter ihr trafen sich die Dorfleute und tanzten, was die Deutsche Bundespost 2001 veranlasste, eine Sondermarke „Tanzlinde zu Himmelsberg“ herauszugeben. Eine weitere wichtige Funktion war, dass unter Linden auch Gericht gehalten wurde. In dem häufig benutzten Wörtchen „subtil“ verbirgt sich auch das „Unter Linden“ (sub = unter, til = Tilia, die Linde).

Auch wenn wir modernen Menschen ein anderes Gefühl für Heimat haben, so ist doch die Linde immer noch von hoher Bedeutung. Das kommt sicherlich zum einen von der Sehnsucht „nach der heilen Welt“ der Dorfgemeinschaft, zum anderen war die Linde eine sehr wichtige Heilpflanzen und auch heute noch wird Lindenblütentee gerne als schweißtreibendes Mittel bei Erkältungskrankheiten benutzt, da er auch beruhigt. Gerne wird dann auch noch Lindenblütenhonig dazu gegeben. Die Linde war bereits bei Germanen von hoher Bedeutung. Sie war der Baum der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Freya. Mit der Christianisierung wurden zu Linden häufig Marienstatuen gestellt, die zudem oft aus deren Holz angefertigt wurden.

Linden können bis 1.000 Jahre alt werden. Sie haben eine sehr ebenmäßige Krone und werden bis ca. 15 m hoch. In Deutschland gibt es zwei Arten, die Sommer- und Winter-Linde, die sich z.B. in der Behaarung der Blätter unterscheiden. Linden sind ein äußerst beliebter Stadt- und Parkbaum und es gibt viele Kreuzungen, z.B. die Holländische Linde (Tilia x europaea, eine Kreuzung der Sommer- und Winter-Linde) und mit der in Südeuropa verbreiteten Silber-Linde (T. tomentosa). Diese haben sich auch untereinander vermischt, sodass es inzwischen sehr schwer ist, die echten Sommer- und Winter-Linden zu finden.

Botanisch interessant ist, dass bei Linden ein Teil des Blütenstandes mit seinem Tragblatt als Verbreitungseinheit funktioniert, das Tragblatt dient dabei als Flugorgan. Weltweit gibt es über 20 Linden-Arten, die alle in der nördlichen Hemisphäre zu Hause sind, in den Botanischen Gärten Bonn sind Linden an verschiedenen Stellen zu bewundern: Eine schöne Silber-Linde steht im Arboretum 08, im Biotop sind heimische Linden zu sehen und entlang der Straße am Botanischen Garten stehen große alte Holländische Linden.

Öffnungszeiten: täglich, außer samstags, 10 – 18 Uhr.
An Samstagen ist der Garten stets geschlossen.
Schaugewächshäuser montags – freitags von 10 – 12 und von 14 – 16 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 – 17:30 Uhr.

Dr. Wolfram Lobin


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