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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Karnivoren in den Botanischen Gärten Bonn

Fleischfressende oder Karnivore Pflanzen

Alle grünen Pflanzen sind autotroph, was bedeutet, dass sie ihre benötigte Energie mit Hilfe des Sonnenlichtes aus Kohlendioxyd der Atmosphäre, Wasser und Mineralstoffen des Bodens selbst herstellen. Dies gilt in der Regel auch für karnivore Pflanzen.

Diese haben jedoch einen zusätzlichen Weg gefunden, sich mit notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Durch ihre Fähigkeit, auf ganz verschiedene und teilweise sehr raffinierte Art kleine Tiere anzulocken, zu fangen und zu verdauen, ist es ihnen möglich, an sehr nährstoffarmen Standorten zu überleben, an denen andere Pflanzenarten nicht mehr wachsen können. So sind sie in der Lage, zum Beispiel in Mooren zu gedeihen und sich mit den zum Wachstum notwendigen Nährstoffen, vor allem Stickstoff und Phosphor, zu versorgen. Als Beute kommen mikroskopisch kleine Einzeller bis hin zu kleinen Wirbeltieren in Frage. Diese Fähigkeit hat sich unabhängig voneinander in verschiedenen Verwandtschaftskreisen im Pflanzenreich entwickelt.

Fleischfressende oder karnivore Pflanzen unterscheiden sich im prinzipiellen Aufbau nicht von anderen Blütenpflanzen; sie haben die Grundorgane Wurzel, Sprossachse und Blatt. Die Wurzeln dienen der Wasser- und Nährstoffaufnahme, dass Blatt der Photosynthese und die Blüte der Fortpflanzung.

Zusätzlich haben fleischfressenden Arten besondere morphologische (= Struktur und Form betreffende) sowie physiologische (= biochemische Funktionen betreffende) Merkmale entwickelt. Sie locken Beutetiere an, fangen sie und können sie enzymatisch abbauen und die gelösten Nährstoffe aufnehmen. Manche Arten können ebenfalls Tiere anlocken und fangen, sind aber nicht in der Lage, organische Substanz aufzunehmen und abzubauen; solche Arten nennt man „Präkarnivore“.

Sammlung in den Botanischen Gärten Bonn

In den Botanischen Gärten Bonn bildet die Sammlung von fleischfressenden Pflanzen einen Schwerpunkt. Diese werden wissenschaftlichen am benachbarten Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen untersucht und es wurde eine der weltweit größten Sammlungen aufgebaut.

Weltweit sind circa 680 Arten karnivorer Pflanzen bekannt, die verwandtschaftlich zum Teil weit voneinander entfernt sind. Demzufolge hat sich die Karnivorie im Pflanzenreich mehrmals unabhängig voneinander entwickelt. In Deutschland kommen 12 verschiedene Arten karnivorer Pflanzen frei lebend vor. Neben den bekannteren karnivoren Blütenpflanzen gibt es auch tierfangende Moose und Pilze - wobei Pilze eigentlich keine Pflanzen sind.

Die Karnivorensammlung ist im Strasburger Lehrgewächshaus und im Erdgewächshaus untergebracht. Das Erdkarnivorenhaus ist für den Besucherverkehr geschlossen und befindet sich neben dem Strasburger Lehrgewächshaus.