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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Geschichte der Systematischen Abteilung

SchlossplanAbb. 1: Poppelsdorfer Schloss mit barocker Gartenanlage. Kolorierter Plan von G. Hauberat, ca. 1718 (aus H.Stoverock)

Bereits seit dem 16. Jahrhundert sind Gartenanlagen beim Poppelsdorfer Schloss nachweisbar.

Im 17. Jahrhundert wurde ein prächtiger Rokoko-Garten angelegt und ca. 1725 eine barocke Gartenanlage vollendet (Abb. 1), die sich in ein klassisches Parterre und die Bosques gliedert.

Die grundsätzliche Anordnung dieser Gartenteile und des Wegesystems wurde bei den nachfolgenden Umgestaltungen beibehalten.

1818 – 1839

Nees von EsenbeckAbb. 2: Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck (1776-1858), Professor für Allgemeine Naturgeschichte und Botanik und erster Gartendirektor.

Wilhelm SinningAbb. 3: Wilhelm Sinning, erster Garten-Inspektor und Gartenkünstler.

Im Zuge der 1818 erfolgten Gründung der „Preußischen Rhein-Universität“ wurde der Naturwissenschaftler und Arzt Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck (1776-1858) als Professor für Allgemeine Naturgeschichte und Botanik und erster Direktor des Neueinzurichtenden Botanischen Gartens nach Bonn berufen (Abb. 2).

Bereits im Wintersemester 1818/19 begann Nees von Esenbeck, gemeinsam mit dem Garteninspektor Wilhelm Sinning (1788-1874) (Abb. 3) und etwas später auch mit seinem Bruder Theodor Friedrich Ludwig, welcher „Repetent der Botanik“  war, mit der Umwandlung des alten Barock-Gartens in einen wissenschaftlichen Botanischen Garten.

Um 1820 nutzte er das barocke Parterre an der Süd/Ost-Seite des Schlosses für ein in vier Sektionen eingeteiltes System (Abb.4).

Aus Dokumenten von 1839 lässt sich ersehen, dass die Systematische Abteilung zu dieser Zeit im Wesentlichen dem System Sprengels (1766-1833) entsprach.

Plan
Abb. 4: Plan des Botanischen Gartens Bonn aus Nees von Esenbeck, C.G. & T.F., De Cinnamomo disputatio, Bonn 1823.

1839 – 1949

LuftbildAbb. 5: Blick auf die Systematische Anlage und das Poppelsdorfer Schloss. Luftaufnahme ca. 1925.

ZeichnungAbb. 6: Anordnung der Pflanzenfamilien in der systematischen Abteilung, wie sie bis 1945 ausgesehen haben mag. Zeichnung von H. Paul (?)

Über die Anordnung der Pflanzen in der systematischen Anlage sind von 1839-1945 kaum Informationen zu finden.

Man kann nur vermuten, dass über einen längeren Zeitraum das Sprengelsche System beibehalten wurde.

Lediglich ein Luftbild von 1925 (Abb. 5) sowie eine Skizze der Verteilung der Pflanzen im System bis 1945 (Abb. 6) sind erhalten geblieben.

Während des 2. Weltkrieges wurde der Botanische Garten in großen Teilen zerstört, darunter auch die Systematische Abteilung (Abb. 7).

Es dauerte einige Zeit bis alle Blindgänger geborgen waren und die gärtnerische Arbeit wieder aufgenommen werden konnte.
 

Luftbild 1945Abb. 7: Der Botanische Garten Bonn und das zerstörte Poppelsdorfer Schloss. Luftbild ca. 1945.

Die Fläche der Systematischen Abteilung diente nach Kriegsende zunächst dem Anbau von Kartoffeln, wodurch man sich zum einen eine Bodenverbesserung erhoffte und zum anderen die zur Grundversorgung der Stadtbevölkerung beitragen sollte.

Dokument 1947Abb. 8: Bitte um Zuteilung von Benzin zum Anbau von Kartoffeln im Botanischen Garten. Vermutlich Beginn 1947.

Dokument 1946Abb. 9: Ankündigung der Übersendung eines Bezugsausweis für Kartoffeln. Dezember 1946.

Dies ging nicht ohne Probleme vonstatten, wie der Schriftwechsel von 1945 und 1946 dokumentiert.

In Abb. 8 ist ein Brief abgebildet, in dem um die Zuteilung von Benzin gebeten wird, während in Abb. 9 ein Bezugsausweis für Kartoffeln angekündigt wird.

1949 – 2006

1947 wurde Walter Schumacher (1901-1976) (Abb. 10) als Direktor des Botanischen Instituts und des Botanischen Gartens berufen und zeitgleich wurde Heinz Paul (1908-1980) zum Gartenkustos ernannt.

Beide machten sich mit viel Elan an den Aufbau des Botanischen Gartens, aber es dauerte noch bis 1949/50, ehe beide damit beginnen konnten, der Systematischen Abteilung eine neue Gestalt zugeben.

Walter SchumacherAbb. 10: Walter Schumacher, Direktor des Botanischen Insitutes und Botanischen Gartens.

Ihr Ziel war es, dass die Systematische Abteilung in ihrer Gesamtheit das Bild eines natürlichen Stammbaumes der Angiospermen widerspiegeln sollte.

Hierfür legten sie das System von Wettstein zu Grunde. Etwa 1.400 Arten aus 350 Pflanzenfamilien wurden auf sechs Felder gepflanzt, darunter auch tropische Vertreter in Kübeln, die im Winter in die Gewächshäuser gebracht wurden.

Die Plattenwege zeigten die Stammbaumäste auf.

Auf der Rückseite des Originals der Anordnung der Systematischen Abteilung befindet sich eine Auflistung der Ordnungen und Familien, die Platz fanden (Abb. 11).

AuflistungAbb. 11: Rückseite des Originals der Darstellung der Verwandtschaft von Familien und Reihen. Hier befindet sich eine Auflistung der Ordnungen und Familien. H. Paul & W. Schumacher.

Bis 2006 hat sich an diesem Grundkonzept der Systematischen Abteilung wenig geändert, einzelne Beete wurden verkleinert oder vergrößert, um Platz für neue Pflanzenfamilien zu schaffen oder um solche zusammenlegen zu können.

Seit ca. 1980 haben wissenschaftliche Erkenntnisse, die vor allem auf molekularen Daten beruhen, die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Angiospermen in weiten Teilen jedoch völlig verändert. Daher wurde es notwendig, eine Systematische Abteilung auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand anzulegen.

Im Oktober 2006 wurde mit einem vollständigen Umbau begonnen, der im Frühsommer 2007 beendet war. Besonders großer Wert wurde dabei auf die neuerliche Errichtung der barocken Grundstruktur, passend zum des Poppelsdorfer Schlosses, gelegt, die durch eine spiegelbildliche Anordnung der Beete entstanden ist, die wieder den Eindruck eines Parterres vermittelt.

Text und Bilderauswahl Jasmin Obholzer, Bonn