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Botanische Gärten der Universität Bonn - Telefon: 49-(0)228-735523 - Telefax: 49-(0) 228-739058 - botgart[at]uni-bonn.de

Das Ende einer Ära

Die beiden Clemens-August-Buchen sind die ältesten Bäume im Schlossgarten. Sie stammen noch aus der Zeit des Kurfürsten Clemens August und sind somit schon über 250 Jahre alt. Botanisch handelt es sich um Fagus sylvatica, die Rotbuche. Die jetzt gefallene Buche hatte einen Brust-Höhen-Umfang (BHU) von 505 cm und eine Höhe von 32 m. Die Clemens-August-Buchen sind seit 1970 ein Naturdenkmal.

19292004
Die Clemens-August-Buchen 1929 und 2004

Die Bäume standen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander und hatten, was das Kronen- und Gesamtbild angeht, über die Jahrzehnte eine Einheit gebildet. Sie hatten sich gleichmäßig und prächtig entwickelt, bis sich durch Pilzbefall Faulstellen im Stammbereich zeigten.

Anfang der 60er Jahre wurden die Bäume baumchirurgisch bearbeitet und in dem Zusammenhang wurden die Faulstellen bis hin zu den Wurzelanläufen ausgeräumt. Hier wurden aus beiden Bäumen 14m³ krankes Holz aus Stamm und Wurzelbereich entfernt. Das kostete 1965 12000 DM.

Anschließend wurden Eisenanker eingebaut, um die Stabilität der Bäume zu gewährleisten.

Die Clemens-August-Buchen waren hauptsächlich vom Brandkrustenpilz (Hypoxylon deustum) befallen. Diese Erkrankung ist nicht zu stoppen und zerstört den Holzörper und die Wurzelanläufe immer weiter. Es trat ein weiterer Pilz (Pholiota aurivella), der eine Weißfäule hervorruft, besonders im Stammbereich auf. Um die Windlast zu reduzieren, wurde der Kronenbereich ausgedünnt, damit die Standsicherheit so lange wie möglich aufrechterhalten werden konnte.


Deutlich sind die vom Brandkrustenpilz zerstörten und befallenen Holzanteile zu erkennen. Das typische Schadbild erinnert an verkohltes Holz.


Selbst in das Holz der Seitenäste im oberen Bereich der Krone ist der Pilz bereits eingedrungen.

Die Botanischen Gärten sind schon seit etlichen Jahren an einer Erhaltung der beiden Buchen aktiv bemüht gewesen. Mehrere statische Gutachten wurden unter hohem finanziellen Aufwand erstellt.

Diese waren stets mit sogenannten Zugfestigkeitsprüfungen verbunden gewesen.

Durch die daraufhin eingeleiteten Maßnahmen konnte zumindest für einige Jahre die Verkehrssicherheit gewährleistet werden.

Wohl war es aber immer klar, dass das Ende der Clemens-August-Buchen erreicht ist. Der Bereich um die Buchen war schon seit Jahren für den normalen Publikumsverkehr gesperrt.

Buchen erreichen in einer Waldsituation ein natürliches Höchstalter von 250 bis 350 Jahren. Somit haben unsere Buchen für einen innerstädtischen Bereich ihr mögliches Höchstalter erreicht.

Wir sind ausgesprochen traurig, dass nun das Ende einer Ära in den Botanischen Gärten eingeläutet ist. Wie der Zufall es will, wurde gerade dieser Baum 2006 für molekularbiologische Studien zur Evolution der Blütenpflanzen ausgewählt. Botaniker aus dem Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen isolierten und sequenzierten das Genom, ohne geahnt zu haben, dass es zu diesem tragischen Verlust kommen würde.

Und so erlangt die alte Clemens-August-Buche aus Bonn Poppelsdorf einen Hauch von Unsterblichkeit, denn ihr Genom bleibt für die Menschheit in den Gen-Datenbanken erhalten, wo sie Stürmen trotzen kann.

Der Zwillingsbaum steht jetzt isoliert und musste am 14. Juni 2007 gefällt werden, da er stürmischen Winden nunmehr ohne Schutz ausgesetzt war.