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Die Dicke Trespe (Bromus grossus) im FFH-Gebiet „Mesenberg und Ackerflur bei Wittlich“, Kreis Bernkastel-Wittlich, Rheinland-Pfalz

Die Dicke Trespe ist ein einjähriges, horstig wachsendes Süßgras mit einer lockeren, bis zu 20 cm langen Rispe und 5-10mm breiten Blättern. Die Halme werden 60-130 cm hoch. Ihr Vorkommen ist auf Mitteleuropa beschränkt. In Deutschland ist die Art aktuell nur in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz nachgewiesen.

Deutschland besitzt nach derzeitigem Kenntnisstand eine Hauptverantwortung für den Erhalt dieser Art. Das bekannte Areal ist zudem relativ klein und der Rückgang in der Vergangenheit war erheblich. Die relativ enge Bindung an bestimmte Formen des Ackerbaus erhöht das Risiko des Aussterbens beträchtlich. Die Art gehört nach WELK (2001) zu den prioritär schutzwürdigen Gefäßpflanzen Deutschlands.
(BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ 2003).

In Rheinland-Pfalz sind 2 Standorte bekannt, zum einen im Pfälzer Bergland bei Ulmet und zum anderen in der Wittlicher Senke bei Platten.
2006 wurde aufgrund des Wiederfundes der Dicken Trespe am historisch belegten Standort das Natura 2000 Gebiet „Mesenberg und Ackerflur bei Wittlich“ (FFH-Nr. DE-6007-301). Ursprünglich mehrere Fundorte an verschiedenen Stellen im Gebiet haben sich bei einer gezielten Suche im selben Jahr nicht bestätigt. Es ließ sich nur noch ein Standort in unmittelbarer Nähe der neu geplanten Straßentrasse B50 neu (mit anschließendem Hochmoselübergang) wiederfinden.


Ursprünglicher Standort (Bild: S. Venz)

Dieser befand sich auf einem Wiesenweg und den sich randlich befindlichen Wintergetreidefeldern. Im Sommer 2006 wurde er ausgepflockt, damit die Samen ausreifen konnten. Ein Teil wurde gesammelt; das Saatgut wurde im Botanischen Garten im Herbst 2006 ausgesät. Zweck war der Erhalt und die Vermehrung des Genmaterials von diesem Standort.

Im Rahmen des Bodenordnungsverfahrens fiel der Wiesenweg 2011 der Vergrößerung der Schläge zum Opfer. Stattdessen wurde eine 1 ha große Vorrangfläche für die Dicke Trespe nahe des ursprünglichen Vorkommens ausgewiesen, auf der Saatgut aus Bonn im November 2011 ausgebracht wurde. Desweiteren ist ein Randstreifen ebenfalls als extensive Ackerbaufläche mit Wintergetreide bestellt worden und die Dicke Trespe von Hand punktuell ausgesät worden. Über einen Pflegevertrag werden die beiden Flächen von einem örtlichen Landwirt bewirtschaftet. Zusätzlich bewirtschaftet er auch die Ausgleichsfläche für die Biogasanlage im extensiven Ackerbau. Hier wurde bereits 2009 Samen der Dicken Trespe ausgebracht.


Bild: S. Venz

Ziel ist die Schaffung einer stabilen Population der Dicken Trespe mit der dazugehörigen Ackerwildkraut-Lebensgemeinschaft. Weitere im Gebiet in einjährigen Ackerbrachen vorgefundene Ackerwildkräuter sind: Spießblättriges Tännelkraut (Kickxia elatine), Feld-Löwenmäulchen (Misopates orontium), Rauer Hahnenfuß (Ranunculus sardous), Acker-Gipskraut (Gypsophila muralis), Roggentrespe (Bromus secalinus, sehr wenig mittlerweile).

Außerhalb dieser beiden „Refugien“ gibt es zahlreiche Gefährdungen, die den Fortbestand im FFH-Gebiet beeinträchtigen:

  • Betrieb einer Biogasanlage in unmittelbarer Nachbarschaft des FFH-Gebietes und damit einhergehend eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung (Energiemaisanbau, Ganzpflanzensilagegewinnung, Intensivster Grasanbau)
  • Bau der B50 neu (mit anschließendem Hochmoselübergang) und damit einhergehend eine Flächenverknappung
  • Ausweitung der Gewerbe- und Industriegebiete und damit einhergehend eine zusätzliche Flächenverknappung
  • Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wie die Anlage von Extensiv-Grünland, von Streuobstwiesen und Gehölzpflanzungen


Bild: W. Lobin

Ob die Maßnahmen zum Erhalt der Dicken Trespe an diesem Standort erfolgreich sein werden und ausreichen, muss in den kommenden Jahren beobachtet werden. Freiwilliger Vertragsnaturschutz im Rahmen des PAULa-Programms „Lebensraum Acker – Ackerwildkräuter“ wäre eine weitere gute Möglichkeit zum Erhalt der Dicken Trespe.
 (PAULa = Programm Agrar-Umwelt-Landschaft - Programm zur Förderung extensiver Erzeugungspraktiken im Agrarbereich aus Gründen des Umweltschutzes und des Landschaftserhaltes des Landes Rheinland-Pfalz)


Die Aussaat der Dicken Trespe (Bromus grossus) im Herbst 2011 war sehr erfolgreich. Die Pflanzen sehen sehr gut aus und werden in Kürze reife Samen produzieren. Wir sind sehr gespannt, ob sich die Dicker Trespe ohne Handaussaat 2013 wieder einstellen wird. Zur Sicherheit wird ein Teil des Saatgutes in den Botanischen Gärten Bonn zurückbehalten.
Bild: S. Venz

Verwendete Literatur

BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ BfN (Hrsg., 2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 – Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd 1: Pflanzen und Wirbellose – Schriftenr. für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/ Bd 1

WELK (2001): Arealkundliche Analyse und Bewertung der Schutzrelevanz seltener und gefährdeter Gefäßpflanzen Deutschlands. – Halle/Saale, Diss. Martin-Luther-Universität Halle, 356 S.

Susanne Venz, PAULa-Vertragsnaturschutzberaterin
des Kreises Bernkastel-Wittlich, Rheinland-Pfalz