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Krone der Kalkflachmoore gerettet

Bild: A. KrämerIn einer gemeinsamen Arterhaltungsmaßnahme der Biologischen Station Düren und der Botanischen Gärten Bonn konnte jetzt einer der letzten Bestände des sehr selten gewordenen Schwarzen Kopfriedes (Schoenus nigricans) stabilisiert werden. In einer Pflanzaktion stellten der Bürgermeister der Gemeinde Vettweiß, Josef Kranz und Herr Krüger von Marwick (Bezirksregierung Köln) ihren grünen Daumen unter Beweis.

Die in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedrohte Charakterart der Kalkflachmoore hat es schwer. In ganz NRW gibt es derzeit nur noch drei bekannte natürliche Vorkommen des Schwarzen Kopfriedes. Eines davon ist der Ginnicker Bruch, ein Feuchtgebiet der Gemeinde Vettweiß, 15 Kilometer südlich von Düren am Rande der Eifel gelegen. Das Naturschutzgebiet „Ginnicker Bruch” ist zwar nicht groß, aber ein wahres Juwel des Kreises Düren. Auf kleinem Raum konnten mehr als 120 Pflanzenarten nachgewiesen werden, darunter seltene Pflanzen, wie die Sumpf-Stendelwurz, das Übersehene Knabenkraut, die Stumpfblütige und Spitzblütige Binse oder der Sumpf-Baldrian. Zusätzlich auf Grund der hohen Artenvielfalt an Vögeln, Libellen, Heuschrecken und Amphibien ist das einzigartige Gebiet mit 3 Hektar Größe als kleinstes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) des Kreises ausgewiesen worden.

Bild: A. KrämerFrüher gab es hier ein ausgedehntes undurchdringliches Moor, wo das Schwarze Kopfried große Bestände eingenommen hat. Wie in fast allen Feuchtgebieten haben Entwässerung und intensive landwirtschaftliche Nutzung dazu geführt, dass nur inselartige Fragmente von Kalkflachmooren übrig geblieben sind. Zwar wurde schon früh mit der Rettung der wertvollen Pflanzengesellschaft durch Ausweisung als Naturschutzgebiet (1981) und Pflegemaßnahmen, wie Wiedervernässung und Mahd, begonnen, doch das Schwarze Kopfried machte es den Naturschützern schwer, galt es doch seit 1989 als verschollen. Umso größer war die Begeisterung als es den Biologen der Biologischen Station Düren, Astrid Uhlisch und René Mause im Jahr 2005 gelang, zwei Horste des zarten Sauergrases mit den nacht-schwarzen Blüten im Pflanzendschungel wiederzufinden. Gerade noch rechtzeitig konnte sie vier Früchte sicherstellen, die zur Aussaat an die Botanischen Gärten Bonn geschickt wurden.

Frau Anett Krämer von den Botanischen Gärten Bonn, die mit ihrer Kollegin eigens zum Pflanztermin angereist war, berichtete nun, wie zwei der vier Samen angegangen sind. Nach zweimaliger Teilung der Pflanzen und intensiver Pflege blühen jetzt acht Schwarze Kopfriede. Eines davon schmückt inzwischen auch das Miniatur-Flachmoor der Biotopanlage in den Botanischen Gärten Bonn. Die anderen sieben wurden von Bürgermeister Josef Kranz und Herrn Krüger von Marwick geschickt in den Torfboden gesetzt.

Die Biologische Station Düren und Herr Lothar Gerhards von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises bedankten sich bei Frau Krämer und den Botanischen Gärten Bonn für die gelungene Aufzucht und die großartige Zusammenarbeit.

Pflanzenvielfalt erforschen, erhalten, erleben ist das Motto der Botanischen Gärten Bonn. Die Erhaltung der Pflanzenvielfalt spielt dabei eine immer stärkere Rolle. Wir bemühen uns dabei, eine regionale Verantwortung zu übernehmen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir auch mit der Biostation Düren an der Vermehrung des Schwarzen Kopfriedes.

Bilder: A. Krämer