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Ikebana
Was weiß man im allgemeinen schon über Ikebana?
Dass es eine alte japanische Blumenkunst und mehr als bloßes „Blumenstecken“ ist?
Dass Ikebana frei übersetzt „lebende Blumen“ heißt und das Lebendigwerden der Natur im künstlerisch gestalteten Arrangement symbolisiert?
Vielleicht auch noch, dass das Dreierprinzip „Himmel, Mensch und Erde“ in der asymmetrischen Anordnung der Blumen oder Zweige eine gewisse Rolle spielt?
Weniger bekannt ist es, dass Ikebana seinen Ursprung in China - nicht in Japan - hat. Dort wurden von buddhistischen Mönchen vom Sturm geknickte Blumen und Zweige als Blumenopfer in Gefäßen mit Wasser angeordnet und auf den Altar gestellt. Mit dem Buddhismus wanderte dies von China über Korea nach Japan, wo Ikebana in jahrhundertelanger Entwicklung seine eigentliche Bedeutung erhalten hat.
Zunächst waren es ausschließlich Männer, und auch nur die hochgestellten Persönlichkeiten, Mitglieder der Kaiserfamilie, hohe Hofbeamte, Priester und Samurai, die diese Kunst ausübten und monumentale Arrangements schufen, Rikka genannt.
Als sich Japan nach 1868 den Einflüssen des Westens öffnete, erfasste eine stürmische Entwicklung das ganze Land. Hiervon wurde auch das Ikebana ergriffen, das nun vor allem den Frauen die Möglichkeit bot, sich mit dieser weiblich anmutenden Kunst zu befassen.
Mit dem Einzug des Ikebana in die Häuser, wo es in der Tokonoma-Nische einen Ehrenplatz fand, kehrte man zu einfacheren Formen (Shoka) und sparsameren Mitteln zurück.
Die älteste Ikebana-Schule ist die IKENOBO-SCHULE, die auf das 6. Jahrhundert zurückgeht und deren Hauptanliegen auch heute noch das Vermitteln des klassischen Ikebana nach strengen Regeln ist.
Den großen Durchbruch fand Ikebana allerdings erst um 1900, nachdem Unshin Ohara (der Begründer der Ohara School of Ikebana) die flache Moribana-Schale gestaltet hatte. Fast gleichzeitig wurde auch der Kenzan (Blumenigel) erfunden. Damit wurde neben dem bis dahin in Vasen oder Opfergefäßen gestalteten Ikebana eine neue Form geschaffen, die sich seitdem immer größerer Beliebtheit erfreut.
So nimmt auch heute noch in der OHARA-SCHULE die Naturverbundenheit, die natürliche Szene einen großen Raum ein, das heißt es werden zu einem Ikebana Blumen, Zweige, Gräser aus ihrem natürlichen Umfeld (zum Beispiel Flussufer, Bergwiese, Waldrand und so weiter) und / oder aus einer bestimmten Jahreszeit verwendet. Eine Besonderheit der Ohara-Schule sind ihre Landschafts-Arrangements.
Daneben hat weltweit die SOGETSU-SCHULE eine sehr große Bedeutung gewonnen. Der Gründer dieser jüngsten unter den großen Schulen ist Sofu Teshigahara, der als Maler und Bildhauer besonders das gestalterische Element in das Ikebana einbringt und als „Vertreter der Moderne“ angesehen werden kann. Es werden auch nicht-florale oder nicht-natürliche Materialien zu einem Arrangement zusammengefügt.
Natürlich gibt es auch noch andere große (und viele kleine) Ikebana-Schulen in Japan.
Die Referentin
Zoo-Lan Lee-Rötter, geboren in Seoul (Republik Korea) lebt seit 1971 in Deutschland. Sie ist Lehrerin und Meisterin der OHARA-SCHULE. Mitglied des Ikebana-Bundesverbandes (IBV) und der European Ohara Teachers Association (EOTA).
